Versilberung

Versilberung, die Kunst, die Oberfläche der Gegenstände mit Silber zu überziehen, A) Mechanische V.: a) Silberplattirung auf Kupferplatten. Letztere werden mit der Kratzbürste gereinigt, mit einer Lösung von salpetersaurem Silberoxyd kalt versilbert, abgewischt u. mit einer Silberplatte von gleicher Größe bedeckt. Beide Platten vereinigt man glühend durch einen heftigen Schlag u. streckt sie noch glühend durch ein Walzwerk aus. Oft wird vor der Vereinigung auf die Silberplatte noch eine Goldplatte gelegt, nachdem erstere mit einer wässerigen Lösung von Goldchlorid bestrichen war (Goldplattirung). Der plattirte Draht wird durch Ausziehen einer Kupferstange, auf welche eine heiße Röhre von Silber aufgesteckt wurde, hergestellt. b) Die V. mit Blattsilber stimmt mit der betreffenden Vergoldung (s.d. A) überein. Durch Andrücken von Blattsilber an eine heiße blanke Kupferstange läßt sich auch plattirter Draht herstellen. Die rauhe V. ähnelt der rauhen Vergoldung, s.d. A) e). c) Die falsche V. auf Holz etc. läßt sich durch Auftragen eines Gemisches von Zinnpulver u. Leimlösung u. Glätten des trockenen Überzuges ausführen. B) Die kalte V. durch Reiben der Metalle mit Silberpräparaten: a) Barometerscalen etc. aus Messing werden mit einem Gemenge aus 1 Theil frisch gefälltem Chlorsilber, 1 Thl. Kochsalz, 3 Thln. gereinigter Pottasche u. 1 Thl. Schlämmkreide feucht eingerieben. b) Kupfer u. Messing reibt man mit folgender auf Leder od. Wolle aufgetragenen Mischung an: Chlorsilber wird in starker Cyankaliumlösung bis zur Sättigung gelöst, dies mit 11/2fachem Volumen Spiritus vermischt u. mit Schlämmkreide zum Brei angemacht. c) Zifferblätter für Uhren mit einer fein zusammengeriebenen Mischung aus 1 Thl. reinem trocknem Silberpulver (durch Fällen aus einer Silberlösung mittelst Kupfer) mit 2 Thln. Weinstein u. 2 Thln. Kochsalz, welche man mit Wasser zum Brei anrührt u. mit dem Finger aufträgt. d) Kupferplatten lassen sich durch bloßes Eintauchen in eine Lösung von Chlorsilber in concentrirter Kochsalzlösung versilbern. e) 3 Thle. Chlorsilber, 6 Thle. Pottasche, 2 Thle. geschlämmte Kreide u. 3 Thle. Kochsalz werden auf das feinste gerieben, zum Brei angerührt u. mit einem benetzten Kork auf das Metall gerieben. f) Die falsche V. auf Kupfer u. Messing erhält man durch Anreiben mit einem Gemisch aus 1 Thl. Amalgam aus gleichen Theilen Zinn, Wismuth u. Quecksilber mit 11/2 Thl. geschlämmter Kreide. Benutzt man eine Mischung aus 1 Thl. Zinn, 2 Thln. Quecksilber u. 1 Thl. Silberpulver,[518] welche man auf das innigste verreibt u. mit 6 Thln. Schlämmkreide mengt, so wird die V. dauerhafter; vorheriges Eintauchen in eine Lösung von salpetersaurem Quecksilber beschleunigt dieselbe. C) Die nasse V.: a) von Metallen: Kupfer, Messing, Bronze u. verkupfertes Eisen lassen sich durch Sieden in folgenden Flüssigkeiten versilbern (Silbersud): aa) 1 Thl. frischgefälltes noch weißes Chlorsilber, 3 Thle. Kochsalz u. 3 Thle. Weinstein werden mit der nöthigen Menge Wasser verdünnt. Nach einer Viertelstunde werden die Gegenstände herausgenommen u. naß mit Weinstein gebürstet; bb) 1 Loth Silber wird in 5–6 Loth Salpetersäure von 1,25 spec. Gewicht gelöst u. 64 Loth destillirtes Wasser zugesetzt. Die Gegenstände werden nach 1/2 Minute herausgenommen, mit Schlämmkreide gerieben u. dies abwechselnd noch einige Male wiederholt, b) Von Glas: Spiegel, s.d. III. C) b). Um Glasbecher mit doppelten Wandungen inwendig zu versilbern, gießt man in dieselben folgende heiße Lösung: salpetersaure Silberoxydlösung wird so lange mit Ammoniak versetzt, bis der Niederschlag wieder verschwunden ist, worauf man einige Tropfen Weinsteinsäure zusetzt, bis wieder ein geringer Niederschlag entsteht. c) Von vegetabilischen u. animalischen Körpern, z.B. Garnen u. Geweben aus Seide, Wolle, Baumwolle etc.: aa) Die Gegenstände werden mit einer Lösung von Höllenstein in überschüssigem Ätzammoniak imprägnirt u. dann in eine Atmosphäre von Wasserstoff od. Phosphorwasserstoff (aus Phosphor, Kalihydrat u. Alkohol zu entwickeln) gebracht; bb) man taucht die Gegenstände abwechselnd in eine sehr verdünnte Lösung von salpetersaurem Silber u. Gallussäure, bis sie nicht mehr schwärzlich erscheinen; dann bringt man sie in folgende Lösung: 2 Thle. gebrannten Kalk, 5 Thle. Traubenzucker u. 2 Thle. Gallussäure löst man in 550 Thln. Wasser (od. auch einer Lösung von 1 Thl. Phosphor in 15 Thln. Schwefelkohlenstoff) u. mischt das gleiche Volumen einer Lösung von 20 Thln. salpetersaurem Silber u. 20 Thln. Ätzammoniak in 650 Thln. Wasser zu; endlich siedet man die Gegenstände in Weinstein. D) Feuerversilberung (heiße V.): a) auf Kupfer, Messing u. Neusilber: aa) Silberamalgam wird mit einer in Quickwasser getauchten Kratzbürste aufgetragen, das Metall über Kohlenfeuer erhitzt u. endlich polirt; bb) 4 Thle. reines trockenes Silberpulver werden mit 1 Thl. Quecksilbersublimat, 16 Thln. Salmiak u. 16 Thln. Kochsalz mit Wasser zu Brei angerieben; letzteren trägt man auf das Metall unter Reiben auf, spült, trocknet u. erhitzt auf Kohlenfeuer. (Das Quecksilber bildete mit dem Silber ein Amalgam, aus welchem es später wieder ausgetrieben wird). cc) Für Knöpfe wird ein Teig aus 48 Thln. Kochsalz, 48 Thln. Zinkvitriol, 1 Thl. Quecksilbersublimat u. 2 Thln. Chlorsilber empfohlen; ebenso ein Gemenge aus 1 Thl. Silberpulver, 4 Thln. Salmiak, 4 Thln. Kochsalz u. 1/4 Thl. Quecksilbersublimat, welches wie das obige angewendet wird. dd) Man befeuchtet die gut gereinigte Oberfläche mit Salzwasser, besiebt sie mit einem Gemenge aus 1 Thl. Silberpulver, 1 Thl. Chlorsilber u. 2 Thln. gebranntem Borax; erhitzt bis zum Rothglühen, löscht in schwacher Weinsteinlösung u. reinigt mit der Kratzbürste. Die bereits versilberten Gegenstände werden nun mit einem Brei aus gleichen Theilen Silberpulver, Salmiak, Kochsalz, Zinkvitriol u. reiner Glasgalle mit Wasser bestrichen, bis zur Kirschrothgluth erhitzt, in siedendem Wasser gelöscht, u. nachdem dieses Versahden einige Male wiederholt ist, polirt (Schmelzversilberung). Diese V. ist dauerhafter als jede andere. ee) Eisenversilberung. Stahl muß erst verkupfert werden, wenn die V. dauerhaft sein soll. Letzteres soll sich auch erreichen lassen, wenn man das Eisen mit einer dünnen Lage durchsichtigen Bleiglases überzieht, auf diese mit Gummiwasser Blattsilber befestigt u. nun bis zum Schmelzen der Glasur erhitzt, wobei das Silber in letztere einsinkt. ff) Gußeisen läßt sich auch durch das Argentiren versilbern. Es wird mit Feilspänen umgeben so lange geglüht, bis es äußerlich entkohlt ist u. sich feilen läßt. Dann beizt man es wie das Schmiedeisen u. den Stahl ab, erwärmt es in heißem Wasser u. taucht es einige Minuten in eine Lösung von salpetersaurem Zinnoxydul. Nach dem Waschen u. Trocknen überzieht man es mit einem Brei aus Chlorsilber, Salmiak u. Kupferchlorid (je nach der gewünschten Legirung) mit Leinöl od. Theer u. Kalkpulver, worauf man 1/2 Stunde lang in einer geschlossenen Muffel glüht, reinigt u. polirt. E) Galvanische V. ist auf Kupfer, Messing, Tombak, Glockenbronze, Argentan, Guß- u. Schmiedeisen direct gut anzuwenden; die Metalle müssen auf das Beste gereinigt u. während der Ablagerung öfters besehen werden, um sie von etwaigen gelben Flecken durch Putzen mit Weinstein befreien zu können; den zur Reinigung dienenden verdünnten Säuren setzt man etwas Theer, Theeröl od. Holzessig zu, damit nicht das Metall, sondern nur das Oxyd aufgelöst wird. Je schwächer die Versilberungsflüssigkeit ist, desto glänzender fällt die V. aus. Durch Zusatz einiger Tropfen Schwefelkohlenstoff erhält man ebenfalls eine glänzende V. Matt versilberte Flächen muß man nach dem Abspülen einige Zeit in Regenwasser kochen u. dann an der Luft trocknen lassen. Zinn, Zink u. polirter Stahl müssen vor dem Versilbern erst verkupfert werden; den letzteren kann man auch durch Eintauchen in ein Bad aus 1 Thl. salpetersaurem Silber, 1 Thl. aus salpetersaurem Quecksilber, 4 Thln. Salpetersäure von specifischem Gewicht 1,375 u. 120 Thln. Wasser vorbereiten. Damit galvanisch versilberte Gegenstände nicht später fleckig werden, ist es gut sie nach dem Versilbern mit Boraxbrei bedeckt, auf 3–400° zu erhitzen, u. dann abzubeizen u. zu spülen. Der negative Pol der galvanischen Batterie (ein od. mehre Elemente) ist in der Versilberungsflüssigkeit mit dem Gegenstand verbunden u. ihm steht ein mit dem positiven Pol verbundenes Silberblech gegenüber. Letzteres löst sich in dem Maße auf, als sich auf ersterem abscheidet. Versilberungsflüssigkeiten sind: a) das aus 1 Loth zwölflöthigem Silber durch Lösen mit Salpetersäure, Fällen mit Kochsalz u. Auswaschen erhaltene Chlorsilber übergießt man in einer Schale mit einer Lösung von 12 Loth Blutlaugensalz in 21/2 Pfd. Wasser, fügt 8 Loth Salmiakgeist zu, kocht eine Stunde lang unter Ersatz des Wassers u. benutzt die abfiltrirte goldgelbe Lösung; b) 1 Loth Höllenstein löst man in 1–31/2 Pfd. Wasser (für matte ob. glänzende V.), fügt die concentrirte Lösung von 1–2 Loth Cyankalium zu, bis der Niederschlag verschwunden ist, u. filtrirt; c) das aus 3 Loth Höllenstein erhaltene Chlorsilber löst man in 10 Loth Cyankalium, welches in 4 Litern destillirtem Wasser gelöst ist, u. setzt 10 Loth krystallisirte Soda u. 4 Loth [519] Kochsalz zu. Unter den galvanisch versilberten Metallen sind jetzt bes. das Neusilber (oft mit etwas Silbergehalt) u. das Britanniametall unter dem Namen China- u. Perusilber für Thee- u. Kaffeegeschirr etc. im Gebrauch, F) Die Contactversilberung ist ohne galvanische Batterie auszuführen, indem man das Metall durch Berühren mit blankem Zink in der Versilberungsflüssigkeit negativer macht. Die Lösungen werden kalt od. siedend angewendet; folgende sind am gebräuchlichsten: a) das aus 1 Loth Silber erhaltene Chlorsilber löst man in Ammoniak, setzt 5 Loth Cyankalium, 5 Loth Sodakrystalle, 2 Loth Kochsalz u. 21/2 Liter Wasser zu, kocht auf u. filtrirt. b) Man übergießt ein Gemenge von 1 Thl. Chlorsilber, 5 Thln. Blutlaugensalz, 5 calcinirter Soda, 2 Thln. Kochsalz mit 50 Thln. Wasser, fügt 5 Thle, Salmiakgeist zu, kocht unter Ersatz des Wassers eine Stunde lang u. filtrirt. c) Stahl u. Eisen lassen sich in einer Lösung von unterschwefligsaurem Silberoxyd durch bloßes Eintauchen versilbern, Kupfer u. Messing in einer Lösung von 2 Thln. dieses Salzes u. 1 Thl. Salmiak; dieses Silbersalz erhält man durch Vermischen einer Lösung von Höllenstein in überschüssigem Ätzammoniak mit einer starken Lösung von unterschwefligsaurem Natron u. Zusatz von Alkohol, mit welchem man dann die Krystalle auswäscht. Das Ablösen der V. von Metallen (Entsilbern) kann entweder auf galvanische Weise geschehen, indem man sie mit dem positiven Pole verbunden in die Zersetzungsflüssigkeiten einbringt u. ein mit dem negativen Pole verbundenes Silberblech gegenüber stellt; od. man bringt sie (bes. Kupfer) in ein 100° warmes Bad aus englischer Schwefelsäure mit 5 Proc. Natronsalpeter, worin sich nach kurzer Zeit das Silber als schwefelsaures Salz gelöst hat. Die Unterscheidung einer echten V. von einer falschen gelingt durch Betupfen der Fläche mit einer Flüssigkeit, welche man erhält, wenn man Salpetersäure von 1,25 specifischem Gewicht auf gepulvertes saures chromsaures Kali gießt, so daß von letzterem nach einigen Stunden noch etwas ungelöst ist. Spült man die betupfte Fläche ab u. ist ein rother Fleck (chromsaures Silberoxyd) sichtbar, so war die V. echt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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