Kanalisierung der Flüsse

Kanalisierung der Flüsse. Die Direktion für den Bau der Wasserstraßen in Wien hat im Jahre 1912 einen Wettbewerb für Entwürfe zu Konstruktionen beweglicher Wehre in Flüssen ausgeschrieben. Die Konstruktionen sollten so beschaffen sein, daß sie während der Winterperiode mit Erfolg funktionieren, bei Hochwasser oder Eisgang das Flußprofil vollständig freigeben und nach Abgang der Eis- und Wassermassen sofort wieder eingesetzt werden können. Von den eingelangten Projekten wurden drei prämiiert.

Das Projekt mit dem Kennworte »Moravia« (Verfasser Dr. Ing. Wolfschütz) stellt ein selbsttätig wirkendes Klappwehr dar, das aus einem hohlen, innen versteiften Blechkasten – dem Staukörper – besteht. Zwei seitlich an diesem angeordnete Arme übertragen den Wasserdruck mittels zweier kurzer, über dem Hochwasserniveau gelagerten Wellen auf das Seitenmauerwerk,[324] setzen sich über die Wellen hinaus und nehmen je ein Betongegengewicht auf. Durch letzteres und durch einen in den hohlen Staukörper eingepumpten Wasserballast ist es möglich, die ganze Konstruktion in bezug auf die Drehachse so auszubalancieren, daß der Staukörper schwebend im Wasser erhalten oder bis an die Flußsohle gebracht und nach Entleerung der Ballastkammer auch gänzlich aus dem Wasser gehoben werden kann (Fig. 1).

Das Projekt mit dem Kennwort »Segment« (Verfasser: Gebrüder Prášil) verschließt das Wehrprofil durch einen segmentschützartigen Staukörper von dreieckiger Querschnittsform, auf welchem sich ein umklappbarer Aufsatz befindet. Der Staukörper wird beiderseits von kräftigen. Hebelarmen getragen, ist durch Gegengewichte ausbalanciert und wird durch Drehung um beiderseitige, nahezu in Stauwasserhöhe gelagerte zentrale Zapfen aufgedreht oder zwangläufig gesenkt. Die Vorderwand des Staukörpers ist eine Zylinderfläche, deren Achse mit der Drehachse zusammenfällt (Fig. 2).

Bei dem Projekt »Praha« (Verfasser: Dr. Ing. Hromas), welches aus zwei dammbalkenartigen, auf bogenförmigen Laufschienen beweglichen Rollschützen besteht, erfolgt die Regulierung des Wasserstandes durch Hebung des oberen Schützes. Hierdurch wird die langsame Entleerung der Haltung und auch die Ueberführung des Eises über die Oberkante des unteren Schützes durch Ueberfall erreicht. Nach Hebung des unteren Schützes wird das Flußprofil ganz frei (Fig. 3).

Das Neue Helmerwehr in der Moldau bei Prag ist das Ergebnis von Modellversuchen – angestellt von der Kommission für die Kanalisierung des Moldau- und Elbeflusses – die durchaus zugunsten des Sturzwehres ausgefallen sind. Diese Versuche zeigen auch, daß man bei richtiger Wahl der Wasserkissenanordnung in Verbindung mit der Sturzwehrform bei kleineren Wehrhöhen an den Abmessungen bedeutende Massenersparnisse erzielen kann. Für größere Wehrhöhen wird hingegen das Schußwehr trotz des größeren Baustoffbedarfs vorteilhaft erscheinen (Fig. 4).

Schwarzersches Wehr mit [325] kombinierten Böchen. Die Verwendung schwerer genieteter Böcke an Stelle der früher gebräuchlichen geschweißten hatte an verschiedenen Nadelwehren der Mittelelbe infolge des damit erreichten größeren Bockabstandes eine Gewichtsersparnis von 40% ergeben. Dementsprechend hat auch Ingenieur Schwarzer beim Schützenwehr einen größeren Abstand der Zwischenböcke angestrebt. Um aber bei den Holzschützentafeln nicht über das Maß von rund 1,0 m hinausgehen zu müssen, ordnet er Zwischenständer, als einfache Träger ausgebildet, an, die mit den Stützböcken und einer wagrechten Laufbahn eine Reihe von Parallelogrammen bilden, so daß die ganze Konstruktion, nach Entfernung der Schützen, seitlich umgeklappt werden kann (Fig. 5).

Das Hubbrückenwehr von Dr. Ing. Liebisch ist in Obříství und Melnik an der Elbe eingebaut. Die in Einzelrahmen vereinigten Ständerpaare sind in Gleitzapfen an einem Fachwerkdienststeg aufgehängt, der durch an den Auflagen angeordnete einfache Rollen bis über das höchste Hochwasser gehoben werden kann. Ist die Brücke gehoben, so werden die Schwingrahmen, nachdem die hölzernen Schützentafeln gezogen, durch eine Winde nach der Oberwasserseite angeholt und in wagrechter Stellung festgelegt. Beim Aufstellen der Stauwand läßt man sie dann wieder in der Strömungsrichtung »gebremst« einschwingen (Fig. 6).

Segmentwehr »Königgrätz«. Die Verschlußwand des von Ingenieur H. Hübl entworfenen Flußwehrs ist als räumlicher Blechträger sektorförmigen Querschnitts in sich steif ausgebildet und durch gelenkig an den Enden angreifende, rein auf Druck beanspruchte Streben abgestützt. Der Verschlußkörper gleitet an der Wehrkrone mit Spielraum vorbei, so daß er zur feineren Regulierung auch gesenkt, statt nur gehoben[326] werden kann. Um dabei trotzdem die nötige Dichtigkeit zu erzielen, sind die unteren Tragstreben auf einem durch Schneckentrieb drehbaren Exzenter gelagert, der es gestattet, die Zylinderfläche der Stauwand in jeder Stellung fest gegen die eichenen Dichtungsbalken der Wehrkrone und Pfeilernische zu pressen, aber auch einen bis 250 mm reichenden Spielraum (zum Abziehen des Geschiebes gedacht) herzustellen (Fig. 7).


Literatur: Verbandschrift 46 des Deutschösterreichischen Verbandes s. Binnenschiffahrt; Allg. Bauzeitung, Heft 4, Wien 1907; A. Ludin, Die Wasserkräfte, II. Bd., Berlin, Jul. Springer, 1913 (diesem Werke sind unsere Fig. 47 entnommen).

Pollak.

Fig. 1.
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Fig. 2.
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Fig. 3.
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Fig. 4.
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Fig. 5.
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Fig. 6.
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Fig. 7.
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http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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