Beizen [3]

Beizen der Hölzer, ein Verfahren, durch das bearbeitetem oder unbearbeitetem Holze eine Färbung gegeben wird, die nicht, wie beim Anstrich, die Textur des Holzes verdeckt, sondern im Gegenteile schärfer hervortreten läßt.

Das Beizen des Holzes kann entweder durch seine ganze Masse (wie bei Furnieren, Brettern bis zu einer gewissen Dicke) oder aber nur oberflächlich bei vollendeten Gegenständen (wie Möbeln und Galanteriearbeiten u. dergl.) erfolgen, und es geschieht 1. um hellem, weniger schönem Holze einer und derselben Holzart ein dunkleres Aussehen zu verleihen, wenn z.B. helles Nußbaumholz mit dunklem zu einem Stück verarbeitet wird; 2. um ein wertvolleres Holz zu imitieren; 3. um dem Holz eine in der Natur selten oder gar nicht vorkommende Farbe, z.B. rot, grün, blau u.s.w., zu verleihen. – Nicht alle Hölzer lassen sich gleich schön und dauerhaft färben, und nicht auf allen Hölzern läßt sich mit einer und derselben Beize die gleiche Wirkung erzielen; selbst Hölzer einer und derselben Gattung, wenn auf andern Standorten und unter andern Verhältnissen gewachsen, nehmen mit einer und derselben Beize nicht die gleiche Färbung an. Linden- und Ahornholz läßt sich mit Teerfarbstoffen weit schöner färben als Fichten- und Tannenholz; Ahorn- und Fichtenholz erhalten durch eine Lösung von doppeltchromsaurem Kali in Wasser eine gelbe, Eichenholz aber infolge seines Gerbstoffgehaltes eine dunkelbraune Färbung. Hölzer mit schwammiger und poröser Struktur nehmen die Beizen rascher und leichter auf als solche mit dichtem Gefüge und werden infolgedessen meist dunkler gefärbt als erstere. Ueber Hirn geschnittenes Holz saugt die Beizen begierig auf, es wird sehr dunkel, während dieselben Jahresringe im Längsschnitt viel dichter als das übrige Holz und deshalb weit lichter gefärbt sind als dieses. – Das Beizen der Hölzer kann erfolgen: 1. durch Veränderung der Farbe des Holzes mittels eines chemischen Agens, das an und für sich keine Farbe besitzt; so färbt Salpetersäure alle Hölzer gelb, Salmiakgeist das Eichenholz schön braun; 2. durch Färbung oder Veränderung eines Bestandteiles der zu verwendenden chemischen Verbindung durch das Zellgewebe des Holzes selbst; übermangansaures Kali färbt alle Hölzer braun, doppeltchromsaures Kali Eichenholz braun; 3. durch Färbung der Holzfaser mit vegetabilischen Farben und Salzen, analog dem Färbeprozeß in der Textilindustrie (mit Blauholzextrakt und doppeltchromsaurem Kali); 4. durch Fällung des Farbepigmentes in dem Zellgewebe, ein Verfahren, das sehr selten angewendet wird; 5. durch Färbung der Holzfaser mit fertigen wirklichen Beizen – Sandelholzbeize, Gelbbeerenbeize –, und 6. durch Färbung mit Lösungen von Teerfarbstoffen in Alkohol oder Wasser. Die nach dem einen oder dem andern Prinzip hergestellten Färbungen des Holzes sind nun entweder licht-, säure- oder alkalifest oder nicht; sie verschwinden bei Einwirkung von Luft, Säuren oder Alkalien entweder gänzlich oder sie verblassen, werden mißfarbig, nehmen ganz andre Farben an, als sie ursprünglich hatten. Es sind dies alles Umstände, die beim Beizen wohl berücksichtigt werden müssen. – Ob ein Holz seiner ganzen Masse nach oder nur oberflächlich gebeizt werden soll, hängt von den Zwecken ab, denen es zu dienen hat. Eine Beizung durch seine ganze Masse wird nur in seltenen Fällen angestrebt und läßt sich nur unter Zuhilfenahme besonderer Apparate (Beizöfen) im luftleeren Räume durch Einpressen bezw. lange anhaltendes Kochen mit der Färbeflüssigkeit durchführen, und sie ist absolut undurchführbar bei solchem Holz, das verarbeitet ist. Dünne Bretter, allenfalls auch noch dünne Pfosten, lassen sich durch Anwendung besonderer technischer Hilfsmittel durch und durch beizen. Es tritt aber der Uebelstand dabei auf, daß durch die Aufnahme von Salzen, durch in dem Zellgewebe niedergeschlagene Verbindungen u.s.w. das Holz sich viel schwieriger bearbeiten läßt als in seinem Naturzustande. Möbelstücke jedweder Art, Galanterie- und Drechslerarbeiten können nie anders als nur oberflächlich gebeizt werden, weil durch die Einwirkung der Hitze und des Dampfes die Leimung sich lösen und die Stücke in einzelne Teile zerfallen würden; und selbst bei der oberflächlichen Beizung muß man mit wasserhaltigen Beizen sehr vorsichtig verfahren, um ein Verziehen und Loslösen einzelner Teile zu verhüten. Man trachtet daher die Arbeit des Beizens immer so rasch als möglich zu beenden, bringt die zu beizenden Stücke in erwärmte Räume, in denen sie rasch austrocknen, und streicht mit Pinsel oder Schwamm die Beize auf. Eichenholzmöbel laden sich dauerhaft und ohne jedwede Gefahr für Verziehen oder Loslösen sehr schön braun beizen, wenn man sie in einen festverschlossenen Raum bringt, auf dessen Fußboden man mehrere Schalen mit Salmiakgeist aufstellt. Die Behandlung von Nußbaum- und Eichenholzmöbeln mit Wachs, Brunoleïne, Asphaltlack, Mattierung u.s.w. ist kein Beizen, sondern Anstrich.


Literatur: Andés, Die technischen Vollendungsarbeiten der Holzindustrie, 4. Aufl., Wien 1904; Haubold, Das Färben und Imitieren des Holzes u.s.w., Berlin 1888; Schmidt, Beizen, Schleifen und Polieren des Holzes u.s.w., Weimar 1878; Zimmermann, Beizen und Färben des Holzes, Leipzig 1904.

Andés.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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