Bleiproben

Bleiproben. Als solche bezeichnet man fast ausschließlich diejenigen Verfahren zur Bestimmung des Wertes von Erzen und Hüttenerzeugnissen, nach denen das Blei in metallischer Form erhalten wird.

Von den heute gebräuchlichen Proben sind als die zuverlässigsten zu nennen:

1. Die Belgische oder Eisentiegelprobe. Das Probiergut wird mit der zwei- bis dreifachen Menge eines Gemisches von Pottasche und Mehl (5 : 1) in einem eisernen Tiegel geschmolzen. Die fertige Schmelze gießt man in eine eiserne Form (Einguß), in der sie erkaltet. Das von der Schlacke getrennte Bleikorn wird gewogen. Reaktion: PbS + Fe = Pb + FeS. Das Eisen hierzu liefert der Tiegel. Die Probe eignet sich für alle Erze und Hüttenerzeugnisse, die das Blei als Sulfid enthalten, aber von sonstigen Metallen frei sind, die durch Eisen gefällt werden könnten.

2. Tontiegelprobe mit Eisenzusatz, in einer gewissen Ausführung auch Freiberger Probe genannt. Das Erz wird mit der dreifachen Menge des bereits oben genannten Gemisches unter Zusatz eines Eisenstiftes (Drahtnägel) in einem Tontiegel (Bleischerben, Freiberger Bleitute) im Muffel- oder Windofen eingeschmolzen. Das Bleikorn erhält man durch Zerschlagen des Tiegels und Abhämmern der Schlacke. Reaktion und Verwendbarkeit wie oben.

3. Schwefelsäureprobe. Das Erz wird mit Königswasser oder Salpetersäure im Glaskolben zerlegt, mit Schwefelsäure eingedampft und mit Wasser gemischt. Das entstandene Bleisulfat wird abfiltriert, gewaschen und getrocknet. Niederschlag und Filter (letzteres verascht) werden mit dem Dreifachen des Erzgewichtes obigen Pottaschemehlgemisches und etwas Eisen (Drahtstift) im Tontiegel verschmolzen. Diese Probe eignet sich für solche Erze und Hüttenerzeugnisse, die außer Bleisulfid noch andre durch Eisen zerlegbare Metallsulfide enthalten.

4. Reduktionsproben. Diese bestehen in einem Verschmelzen des zu untersuchenden Stoffes mit einem Gemisch von Pottasche und Mehl (mit 33% Mehl) unter Zusatz von Borax. Sie dienen zur Wertbestimmung oxydischer Rohstoffe (einschließlich Salze und Schlacken). – Bezüglich näherer Angaben über die Ausführung der Proben muß auf die untenstehende Literatur verwiesen werden.


Literatur: [1] Kerl, Metallurgische Probierkunst (sehr ausführlich), 2. Aufl., Leipzig 1882. – [2] Kerl, Probierbuch (kurz), 2. Aufl., Leipzig 1894. – [3] Balling, Probierkunde (ausführl.), Braunschweig 1879. – [4] Plattner-Richter, Probierkunst mit dem Lötrohre, 5. Aufl., Leipzig 1878.

Beckert.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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  • Bleisulfat — PbSO4, Mol. Gew. 303, spez. Gew. 6,3, weißes, kristallinisches Salz, in Wasser kaum, in verdünnter Schwefelsäure schwer löslich. [78] Es kommt natürlich vor als Bleivitriol (Vitriolblei), wo es durch Oxydation von Bleiglanz entstanden ist und… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Tiegelprobe — Tiegelprobe, s. Bleiproben, Goldproben, Silberproben …   Lexikon der gesamten Technik

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